Bioland, Demeter, Naturland: Was hinter den Siegeln steckt
EU-Bio ist der gesetzliche Mindeststandard. Die Verbandssiegel gehen darüber hinaus, jedes auf seine Weise. Was die Unterschiede im Regal bedeuten.

Vor dem Hofladen hängt ein Schild mit einem grünen Blatt, daneben eines mit einem stilisierten Bauernhof. Beides heißt Bio, aber es ist nicht dasselbe. Wer den Unterschied kennt, kauft bewusster ein und versteht auch, warum die Preise auseinandergehen.
Das EU-Bio-Siegel ist die Untergrenze
Das grüne Blatt mit den zwölf Sternen ist gesetzlich geregelt und gilt in der gesamten EU. Wer es führt, verzichtet auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und leicht lösliche Mineraldünger, arbeitet ohne Gentechnik und hält Tiere nach festen Mindeststandards. Kontrolliert wird mindestens einmal im Jahr.
Das ist deutlich mehr als konventionelle Erzeugung, aber es ist eben ein Mindeststandard. Ein Betrieb darf gleichzeitig ökologisch und konventionell wirtschaften, solange beide Bereiche getrennt sind. Der Zukauf von Futter ist in weiten Teilen erlaubt.
Die Verbände gehen weiter, jeder anders
Bioland ist der größte Verband in Deutschland. Betriebe müssen vollständig umstellen, ein halber Hof geht nicht. Die Tierzahl ist an die Fläche gebunden, das Futter kommt überwiegend vom eigenen Betrieb oder aus der Region.
Naturland arbeitet international und nimmt neben den ökologischen auch soziale Kriterien in die Richtlinien auf, etwa Arbeitsbedingungen. Als einziger großer Verband zertifiziert Naturland auch Fischerei und Waldwirtschaft.
Demeter ist der älteste Verband und folgt der biodynamischen Wirtschaftsweise. Dazu gehören eigene Präparate zur Bodenpflege und die Vorgabe, dass Kühe ihre Hörner behalten. Demeter hat als einziger Verband auch Vorgaben für die Verarbeitung, die über die EU-Verordnung hinausgehen.
Biokreis und Gäa sind kleiner und regional stärker verwurzelt. Biokreis legt besonderen Wert auf kurze Wege zwischen Erzeugung und Verarbeitung.
Was das im Hofladen bedeutet
Ein Verbandssiegel sagt nichts darüber aus, ob die Möhren besser schmecken. Es sagt etwas darüber aus, wie der Betrieb arbeitet: wie viele Tiere auf der Fläche stehen, woher das Futter kommt, ob der Hof komplett umgestellt hat.
Der zweite Punkt ist der Preis. Verbandsmitgliedschaft kostet Beitrag und bedeutet zusätzliche Kontrollen. Wer das trägt, hat höhere Kosten als ein Betrieb mit EU-Bio allein.
Und wenn gar kein Siegel dran ist?
Viele kleine Höfe wirtschaften ökologisch, ohne zertifiziert zu sein. Die Zertifizierung kostet je nach Betriebsgröße einen vierstelligen Betrag im Jahr, dazu kommt Dokumentationsaufwand. Für einen Hof mit drei Hektar Gemüse und Direktvermarktung rechnet sich das oft nicht.
Ohne Zertifizierung darf der Betrieb allerdings nicht mit dem Wort Bio werben. Das ist gesetzlich geschützt. Wenn jemand am Hoftor erzählt, wie er wirtschaftet, ist das etwas anderes als eine Auslobung auf dem Etikett.
Praktischer Rat: Frag nach. Direktvermarkter erzählen fast immer gern, wie sie arbeiten. Diese Antwort sagt mehr als jedes Siegel.
Auf jedem Betriebsprofil bei Bauer Fiete stehen die Siegel, die uns bekannt sind. Fehlt eines, schreib uns kurz, dann ergänzen wir es.
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